Gedanken zur Sporenbildung bei Hühnern
Nach mehrjähriger Pause wurde in der AAB
wieder aufgenommen, dass das Fehlen von Sporen bei Althähnen und Puten ein
Ausschussfehler ist. Eie Ausnahme bilden die Perlhühner. Fehlen von deutlichen
Sporenansätzen bei Junghähnen (deutlich gewölbte Hornplatte) gilt als grober
Fehler. Dass bei Hennen eine Sporenbildung nicht gestattet wird, war durchweg
immer in der AAB festgelegt, wobei man über das Erbsenmaß nur schmunzeln kann,
denn es gibt kleine und große Erbsen. Noch unsinniger ist natürlich die Praxis,
die heute noch von Preisrichtern angewandt wird, dass, wenn bei einer Henne der
Ring über die Sporen zu schieben geht, nichts in der Kritik erwähnt wird.
Unmöglich schon deswegen, da mit der Einführung des neuen Ringes viele
Ringgrößen in der Innenweite verändert wurden und heute bei mancher Rasse der
vorgesehene Ring viel zu groß ist, bei anderen eher knapp bemessen, so dass die
Tiere schon nach 4 Wochen beringt werden müssen.
Geschichtlich gesehen, waren die männlichen Sporen die Waffe gegen Rivalen und
das wird heute ja nicht mehr benötigt, sodass es nur noch als Schönheitsmerkmal
betrachtet werden kann. Anderseits müsste auch eine Henne eine Hornplatte
aufweisen, diese Festlegung fehlt in der AAB gänzlich. Mir ist aufgefallen, dass
es Hennen gibt, die nur eine kleine Vertiefung besitzen, aber keine Hornplatte
zeigen, sodass ich annehmen könnte, dass hier ein junger wachsender Sporn
entfernt worden ist. Die Sporenbildung erfolgt bei unseren Hühnern bereits in
der Embryonalentwicklung mit dem 10. Bebrütungstag. Sie entstehen aus Bildung
der Unterhaut und des Laufknochens, die zum Knochenkern verschmelzen und über
die sich eine verhornte Außenschicht legt (Golze 1985). Wenn auch der Sporn
unterschiedlich ist, in Form und Größe bei den einzelnen Hühnerrassen, so haben
leichte Rassen allgemein einen längeren und spitzeren Sporn als die
mittelschweren und schweren Rassen asiatischer Herkunft. Auch der Sitz des
Sporns kann verschieden sein, wobei er allgemein nach innen am Bein angelegt
ist. Besonders bei fünfzehigen Rassen kommt es aber vor, dass er nach hinten
oder sogar nach außen angelegt ist, hier hat die hormonelle Steuerung versagt.
Wenn das auftritt, so ist das ein anatomischer Fehler, der unbedingt von der
Zucht ausgeschlossen werden sollte.
Bei Versuchen wurde herausgefunden, dass bei Hähnen mit injizierten weiblichen
Geschlechtshormonen die Sporenbildung gehemmt wird, dagegen wachsen die Sporen
bei einem Kapaun weiter und bei Hennen entstehen nach Entfernen der Eierstöcke
Sporen. Danach kann man schlussfolgern, dass nicht primär ein männliches
Geschlechtshormon Sporen bewirkt, sondern weibliche die Sporenbildung hemmen.
Sodass die männlichen Geschlechtshormone es sind, die begünstigt ein
Sporenwachstum beeinflussen. Damit ist anzunehmen, dass die Sporenbildung von
einem gewissen Hormonlevel abhängig ist.
Beim Hahn wird der Sporen als männliches Geschlechtsmerkmal angesehen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es sowohl Hähne als auch Hennen
gibt, die nur an einem Lauf Sporen zeigen. Da aber Hormone nicht nur selektiv
für ein Bein arbeiten, müsste die Sporenbildung beim Hahn bzw. einseitige
Ausprägung bei der Henne genetisch bedingt sein oder ein hormoneller
"Erkennungsfaktor" vorliegen.
Übereinstimmend schreiben alle Autoren, dass ungleiche Sporen mit der
Befruchtung nichts zu tun haben, was viele annehmen aber bisher nicht bewiesen
ist. Dass es aber Zuchtlinien gibt, die gänzliche ohne Sporen auskommen, nicht
nur bei hennenfiedrigen Rassen, zeigt die Praxis. Befragungen der Züchter haben
ergeben, dass es auch bei diesen Rassen bzw. Farbenschlägen keine merklichen
Unterschiede in Befruchtung, Absterben, Schlupf und Wachstum gibt. Golze führte
mit seinen gesäumten Zwerg-Wyandotten mehrjährige Untersuchungen zu diesem Thema
durch. Er verwendete dazu über Jahre insgesamt 165 Hähne, die er in drei Gruppen
einteilte: 0 bis 3 mm (kurzsporig), 4 bis 6 mm (mittelsporig) und mehr als 6 mm
(langsporig). Anmerken möchte ich noch, dass die Sporen beim Hahn besonders mit
der verstärkten sexuellen Aktivität im Frühjahr stärker wachsen. Gleichauf
begründet dies mit einer Verbindung zwischen Keimdrüsenhormonen und
Sporenwachstum.
Golzes Untersuchungen über einen Zeitraum von 10 Jahren mit 35360 Eiern zeigten,
dass Hähne mit längeren Sporen mehr Nachzucht brachten. Wobei die Auswahl nur
nach dem direkten Vorhandensein getroffen wurde, aber nichts aussagt, ob der
Vater und Großvater kurze bzw. lange Sporen hatte. Golze machte seine
Untersuchungen mit gesäumten Zwerg-Wyandotten, die, wenn sie schön aussehen
sollen, eine breite, runde Feder haben müssen, auch bei den Hähnen, sodass man
bei bestimmten Rassen bzw. Farbenschlägen eine Hennenfiedrigkeit und damit eine
Hormonverschiebung im Körper anzüchtete. Andererseits weiß ich zum Beispiel auch
von Züchtern Federfüßiger Zwerghühner, dass Hähne ohne oder mit nur
kleinen Sporen beste Befruchtungsergebnisse bringen, wobei hier von
Hennenfiedrigkeit keine Rede sein kann. Beim Betrachten der
Siegerring-Kollektion der Sebright 2003 in Hannover, wo ja aus vielen Zuchten
Spitzentiere gezeigt wurden, ist mir aufgefallen, dass die Hähne mit der feinen
runden Hennenfeder fast immer ohne Sporen waren und Hähne, die im Sattel eine
etwas spitz auslaufende Feder besaßen, Sporen zeigten. Wird hier in Zukunft von
allen PR die Satzung bzw. AAB 100-prozentig angewendet, werden die Züchter die
feinen Tiere zu Hause lassen müssen. Hier müsste der SV seinen Standard nochmals
überdenken, denn sonst vertreiben wir die schönen Hähne von unseren
Ausstellungen und zwingen die Züchter zu einer Zweistammzucht. Es sei denn, man
weiß wer bewertet, denn die Sonderrichter setzen sich oft über Bestimmungen
hinweg, sodass ein V-Tier von heute eine Ausstellung später wegen fehlender
Sporen herabgesetzt wird. Dann ist immer der Preisrichter der Dumme, der nach
den Bestimmungen arbeitet.
Allerdings ist der Weg, wie die Bestimmungen unter das Züchtervolk gebracht
werden, nicht in Ordnung. Denn die AAB wurde ohne eine Veröffentlichung
verändert, es gab keinen Hinweis im BDRG-aktuell, weder in einer Fachzeitschrift
noch in den Verbandstagungen. Nur die Preisrichter erhielten die Neuerung über
die Satzung. Gerade solche undurchsichtigen Probleme sollte man doch unseren
Züchtern etwas eher näher bringen und nicht die Preisrichter das von heute auf
morgen strafen.
Wahrscheinlich ist es richtig, dass Hähne Sporen zeigen sollten, aber das ist
nur über eine Karenzzeit durchzusetzen und muss über die Schulungsleiter der PV
kommen, nicht dass jeder PR machen kann, was er will. Wie gesagt, bei einigen
Rassen oder Farben müsste der Standard kritisch überprüft und eventuell das
Fehlen von deutlichen Sporen als Ausnahme verankert werden, wenn man keine
Züchter verlieren will, denn wie sagt man so schön, es ist schnell die Flinte
ins Korn geworfen.
Fritz Schöne
(aus Federfuß-Info Nr. 167)