Es ist Juni und die Aufzuchtställe sind bei den meisten Züchtern prall gefüllt. Das Wetter bietet für die Aufzucht rassiger Jungtiere hervorragende Bedingungen. Um die weiteren Umweltfaktoren zu Gunsten der Nachzucht zu optimieren, bedarf es dem Zutun der Züchterhand.
Als grundlegendes Kriterium für eine erfolgreiche Aufzucht ist die Besatzdichte anzusehen. Und gerade hier ist in der jetzigen Jahreszeit ein mehr oder minder großer Makel bei vielen Züchtern vorzufinden. Um einen Überbesatz zu vermeiden bedarf es harter Selektion des Jungtierbestandes. So wird die Tierzahl reduziert und die nach der Selektion verbliebenen Tiere können nun noch besser umsorgt werden, da es sich ja um die Hoffnungsträger handelt. Kriterien nach denen der Nachwuchs selektiert werden kann sind beispielsweise Kammzackung, Kammblattbeschaffenheit, Kehllappenquerfaltenvorhandensein, Mittelzehenfußbefiederung, Außenzehengliedervollständigkeit, oder eventuell auch Außenkrallenvorhandensein. Nicht zu vergessen sind als Selektionskriterien Wachstumsausgeglichenheit und Befiederungsschnelligkeit. Später werden dann auch Figur- und Zeichnungsattribute mit in Betracht gezogen.
Bezüglich
der weiteren Haltungsbedingungen ist auf ordentliche Stallbelüftung und
-entlüftung zu achten. Regelmäßige Kontrollen zwecks Parasitenbefall sind ein
wichtiges Element des Aufzuchtvorgangs. Auch ein entsprechend den Bedürfnissen
der Tiere gestalteter Auslauf, trägt dem Wohlbefinden dieser bei. Eine
artgerechte Haltung von Hühnern ist ohne Außenvoliere oder Freilauf nicht
denkbar. Durch den Auslauf werden die Nachzuchttiere gesund, widerstandsfähig
und damit leistungsfähig. Die Bewegung, die Einwirkung des Sonnenlichtes, der
frischen Luft, des Wechsels zwischen Wind und Regen fördern den
Gesundheitszustand des Geflügels und bringen auch aus ästhetischer Sicht
Vorteile. So fördern der Freigang an der frischen Luft und ein ab und zu auf das
Rassegeflügel etwas auftreffender Regen die Gefiederqualität. Weitere Vorteile
ergeben sich aus der Art des Auslaufes. Der Vorteil der Grasvariante liegt vor
allem in der Aufnahme von Freifutter. Dieses reicht von Gras, Kräutern und Erde
bis hin zu Insekten und deren Larven. Dadurch werden Stoffe aufgenommen, die bei
der Fütterung zum Teil nur wenig Beachtung finden. Etwaige Mängel an jenen
Substanzen werden durch den Grasauslauf verhindert. Der Gesamtfutterverbrauch
sinkt ebenfalls.
Je nach Bestandsdichte werden vom Stall aus
beginnend die nah anliegenden Wiesen durch Fraß, Staubbäder und kräftiges
Scharren mehr oder minder stark in Mitleidenschaft gezogen. Aufgrund vermehrter
Kotabsonderungen auf diesen Plätzen stellen sie auch Infektionsherde dar. Hier
wirkt man durch regelmäßiges Aufbringen von Branntkalk entgegen. Zwei- oder
dreimal jährlich sollte der gesamte Auslauf gekalkt werden, um den pH-Wert des
Bodens nicht zu stark sinken zu lassen und um ihn gleichzeitig zu desinfizieren.
Hecken oder Sträucher bieten den Hühnern Schatten und dienen als Flucht- und Versteckmöglichkeit vor den Artgenossen. Der Sonnenschutz ist vor allem bei gelb- und rotgefärbten Vertretern von hoher Bedeutung, da direkte Sonneneinstrahlung die Farbpigmente bleicht und die Farbintensität negativ beeinflusst wird. Eine so entstandene blasse, ungleichmäßige Gefiederfärbung stellt eine deutliche Wertminderung dar, wenn die Tiere später auf Ausstellungen präsentiert werden sollen.
Ein weiterer Punkt für eine erfolgreiche Aufzucht ist die Fütterung. Optimal auf die Bedürfnisse abgestimmtes Futter spricht für das Sachverständnis eines Rassegeflügelzüchters. Ohne die abgestimmte Fütterung sind Höchstleistungen niemals möglich. In der gegenwärtigen Fütterungspraxis besitzen die im Fachhandel erhältlichen Fertigfuttermittel den dominierenden Stellenwert. Sie sind größtenteils auf die Bedürfnisse des Rassegeflügels sehr gut abgestimmt und begünstigen die Entwicklung enorm. Trotz alledem dürfen die vielen positiven Eigenschaften dieser Futtermittel nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie bestimmte essentielle Substanzen nicht enthalten. Diese müssen durch den Züchter ergänzt werden.
Der Futtertrog ist der Anzahl und dem Alter der
Stallbewohner angepasst, um eine gleichmäßige Futteraufnahme aller Tiere in
einem Stall zu gewährleisten. Eine Desinfektion der Futterrinnen erfolgt bei
Stallwechsel, Krankheitsfall oder erhöhtem Infektionsdruck in der Aufzuchtzeit.
Wie erwähnt nimmt es positiven Einfluss auf das Entwicklungsgeschehen, wenn dem Fertigfutter noch bestimmte (naturbelassene) Zusatzstoffe beigemischt werden und auch angesichts des gegenwärtigen gewaltigen Anstiegs der Futtermittelpreise wird eine derartige Futteraufwertung interessant. Folgend sollen einige hochwertvolle Zusätze kurz vorgesellt werden, die sich in meiner Zucht bestens bewährt haben:
1. Grünfutter: Grünfutter bietet in jeglicher Hinsicht eine optimale Futterbeigabe mit unzählbaren Vorteilen. Es ist für jedermann zugängig und es entstehen bei der Beschaffung keine Zusatzkosten. Die inhaltlichen Vorteile des Grünfutters sind ebenso riesig. Es bietet mit seinen Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen, Aminosäuren und natürlichen Antibiotika eine enorme Stütze für die Gesundheit der Tiere. Es wird den Tieren pur gereicht oder in zerkleinerter Form dem Weichfutter untergemischt. Geläufig in der Grünfütterung sind Brennnesseln, Löwenzahn, Luzerne, Spitzwegerich, Klee, Johanniskraut, Pfefferminze, Schnittlauch, Möhren, Zwiebeln, Knoblauch und vieles mehr.
2. Bierhefe: Keinesfalls fehlen in einem gutem Weichfutter darf Bierhefe. Dieser gut erhältliche und recht kostengünstige Futterzusatz (bestenfalls in 20kg-Säcken zu kaufen) nimmt einen Anteil von 5 - 8% des Gesamtfutters ein. Der enorme Reichtum an verschiedenen Aminosäuren, wobei hier der Metheoningehalt besonders wertvoll ist, Enzymen, Mineralstoffen, Vitaminen (v.a. der B-Gruppe) und anderen für den Stoffwechsel unentbehrlichen Substanzen zeichnen die Bierhefe aus. Bierhefe ist das Geheimmittel für eine breite, gesunde Feder!
3. Weizenkleie: Sie stellt eine günstige, aber hochwertige Futterbeigabe dar. Sie enthält u.a. Eisen, Magnesium, Zink, Kupfer, Mangan, Selen, desgleichen viele Vitamine.
4. Tierisches Eiweiß: Die Versorgung mit tierischem Eiweiß geschieht durch die Fütterung von Quark, frischer oder dicksaurer Milch, sowie Eiern oder Fischmehl.
Alle 4 Ergänzungen werden dem Weichfutter beigemischt.
Beste Aufzuchtergebnisse wünscht
Ruben Schreiter